Meine Eltern reden über ihr Haus ungefähr so:
„Ist natürlich schön, etwas Eigenes zu haben.“
Danach folgen meistens Dach, Heizung, Fenster oder irgendetwas im Keller.
Ich glaube, Eigentum bedeutet nicht nur Sicherheit.
Man besitzt irgendwann auch sehr viele Dinge, die kaputtgehen können.
„Miete ist weg, Kreditrate gehört irgendwann dir“ ist als Vergleich ein bisschen zu einfach.
Beim Eigentum gibt es neben Tilgung auch Zinsen, Kaufnebenkosten, Instandhaltung und Kapital, das im Haus gebunden ist. Beim Mieten entsteht dafür nicht automatisch Vermögen.
Am Ende funktioniert beides nur mit einer vollständigen Rechnung – und mit der Frage, wie man eigentlich leben möchte.
Ein eigenes Haus war für mich lange so ein Ding, das man später halt irgendwann macht.
Mittlerweile sehe ich, was Häuser kosten, und frage mich zum ersten Mal ernsthaft, ob ich das überhaupt möchte.
Ich ziehe gern mal um, will nicht jedes Wochenende irgendwas am Haus machen und ein Garten ist zwar schön, aber auch Arbeit.
Vielleicht ändert sich das noch.
Gerade fühlt sich „kein eigenes Haus“ jedenfalls weniger nach Scheitern an als früher.
Ein Haus bindet nicht für immer an einen Ort. Man kann es verkaufen oder vermieten.
Trotzdem ist ein Jobangebot in einer anderen Stadt organisatorisch etwas anderes, wenn dafür nur eine Wohnung gekündigt werden muss, statt gleichzeitig über Verkauf, Vermietung und Finanzierung nachzudenken.
Flexibilität hat ebenfalls einen Wert.
Wenn ich dauerhaft mieten würde, wäre meine Schlussfolgerung nicht: Dann muss ich mich um langfristige Finanzen nicht kümmern. Im Gegenteil, ich müsste bewusst überlegen, wie ich Rücklagen und Vermögen außerhalb einer Immobilie aufbaue und wie die Miete später ins Budget passt. Kein Haus zu kaufen ist auch eine finanzielle Entscheidung, nicht die Abwesenheit einer.
Ein Haus kann Sicherheit geben und gleichzeitig einen sehr großen Teil des eigenen Vermögens in genau einem Gebäude an genau einem Ort bündeln. Das muss kein Gegenargument sein. Es ist nur ein anderer Risikomix als „Mieter sein und das übrige Geld anders verteilen“.
Mich würde an einem Haus wahrscheinlich weniger die monatliche Rate nervös machen als die Länge der Verpflichtung.
Zu wissen, dass ein großer Kredit noch in fünfzehn oder zwanzig Jahren Teil des Lebens ist, fühlt sich für mich anders an als ein Mietvertrag, den man grundsätzlich wieder verlassen kann.
Das ist nicht nur eine Rechenfrage.
In Deutschland ist lebenslanges Mieten kein exotisches Randmodell. Mehr Menschen leben hier zur Miete als in Eigentum. Das beantwortet nicht, welche Variante finanziell oder persönlich besser ist, nimmt der Frage „Wann kaufst du endlich?“ aber ein bisschen von ihrer angeblichen Selbstverständlichkeit.
Kein Haus zu besitzen bedeutet nicht automatisch maximale Freiheit.
Auch Mieter können mit steigender Miete, Eigenbedarf, schlechtem Vermieter oder einem schwierigen Wohnungsmarkt leben müssen.
Man tauscht beim Mieten einige Risiken gegen andere. Man wird sie nicht komplett los.
Mit Kindern können 140 Quadratmeter plötzlich praktisch wirken.
Zwanzig Jahre später stehen vielleicht drei Zimmer meistens leer.
Eine Mietwohnung lässt sich leichter an eine neue Lebensphase anpassen. Ein Haus passt dafür oft besonders gut zu genau einer.
Anmelden, um einen Eintrag zu schreiben.